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Die Antwort, die überall steht, lautet: alle drei bis fünf Jahre. Die Antwort, die die Datenlage stützt, lautet: wenn er beschädigt ist, wenn er gestürzt ist, oder wenn das Verschluss- und Riemensystem nicht mehr taugt. Ein pauschales Ablaufdatum für das Material selbst gibt es nicht.

Das ist unbequem, weil die Hersteller etwas anderes sagen. Uvex und ABUS nennen drei bis fünf Jahre ab der ersten Nutzung und kleben dafür einen Aufkleber ins Innenfutter. Giro nennt drei Jahre und begründet das mit UV-Belastung als Hauptfaktor. Specialized nennt drei bis fünf Jahre ab Kauf, bei intensiver Nutzung drei. Bell nennt drei Jahre und bietet eine kostenlose Inspektion an.

Die unabhängige Prüfung sieht anders aus. Ein forensisches Labor hat 675 gebrauchte Fahrradhelme bis zu einem Alter von 26 Jahren getestet und fand keine oder nur minimale Alterung des Materials, im Schnitt höchstens 0,76 g mehr Kopfbeschleunigung pro Lebensjahr. Die Arbeit ist peer-reviewed erschienen. Wichtig ist die Einschränkung: Untersucht wurde ausschließlich der EPS-Schaum, nicht Riemen, Schnallen und Außenschale.

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Was der Helm eigentlich leistet und wie er geprüft wird

Ein Fahrradhelm in Europa muss die Norm EN 1078 erfüllen. Geprüft wird ein Aufprall aus etwa 1,5 Metern auf einen flachen Amboss, das entspricht 5,42 Metern pro Sekunde oder rund 19,5 Kilometern pro Stunde, sowie ein Aufprall aus etwa 1,1 Metern auf eine Bordsteinkante mit 4,57 Metern pro Sekunde. Die maximal zulässige Kopfbeschleunigung liegt bei 250 g. Dazu kommt die Prüfung des Haltesystems.

Zwei Dinge prüft die Norm nicht: Rotationskräfte, also die Drehbeschleunigung beim schrägen Aufprall, und Alterung. Es gibt in EN 1078 keinen standardisierten Alterungstest. Wer wissen will, wie einzelne Modelle über die Normanforderung hinaus abschneiden, findet unabhängige Bewertungen bei der Helmbewertung der Virginia Tech. Die Systematik der Normen selbst ordnet das Deutsche Institut für Normung ein. Wie Rotationsschutz technisch angegangen wird, behandelt der Beitrag zum Helm mit MIPS.

Der EPS-Schaum arbeitet einmal. Bei einem Aufprall wird er irreversibel zusammengedrückt und federt nicht zurück. Genau deshalb ist ein Sturz das eindeutige Austauschkriterium, und zwar auch dann, wenn du außen nichts siehst. Bell weist ausdrücklich darauf hin, dass der Schaden nicht immer sichtbar ist.

Warum die Fünf-Jahres-Regel so nicht stimmt

Der interessanteste Beleg kommt von einer Prüforganisation, die selbst konservativ berät: Helme, die zwanzig Jahre eingelagert waren, bestanden in ihren eigenen Tests weiterhin die Norm. Trotzdem empfiehlt dieselbe Organisation den Austausch alle fünf Jahre. Ihre Empfehlung ist also strenger als ihre eigenen Messwerte. Das ist keine Unehrlichkeit, sondern Vorsicht bei einem Produkt, dessen Versagen teuer ist. Aber es heißt eben auch: Wer einen fünf Jahre alten, nie gestürzten, sauber gelagerten Helm hat, fährt nicht mit einem wertlosen Stück Plastik.

Was den Helm tatsächlich altern lässt, sind nicht Jahre, sondern Bedingungen. UV-Strahlung gilt bei Giros Entwicklungsabteilung als Haupttreiber. Dazu kommen Hitze, etwa im Auto in der Sonne, starke Temperaturwechsel, Schweiß und Salz, und allgemeine Verschmutzung. Ein Helm, der ganzjährig am Fahrradhaken auf dem Balkon hängt, altert schneller als einer, der im Flurschrank liegt.

Und die Teile, die die Studie ausdrücklich nicht untersucht hat, sind in der Praxis oft zuerst am Ende: Riemen werden brüchig und fransen, Schnallen schließen nicht mehr sauber, das Verstellsystem am Hinterkopf leiert aus, Polster werden hart und rutschen. Ein Helm, der nicht mehr fest sitzt, schützt schlechter als ein alter Helm, der sitzt.

Wann austauschen und was das jeweils kostet

Anlass Was dafür spricht Was es kostet Empfehlung
Nach jedem Sturz mit Kopfaufprall EPS ist einmal verformbar, Schaden oft unsichtbar Neukauf, auch wenn der Helm neu aussieht immer ersetzen
Risse in der Schale, Schale löst sich vom EPS klar erkennbarer struktureller Defekt Neukauf sofort ersetzen
Riemen fransig, Schnalle schwergängig, Verstellrad ausgeleiert Sitz ist die Grundlage der Schutzwirkung bei manchen Modellen Ersatzteile, sonst Neukauf ersetzen oder reparieren, nicht ignorieren
Drei bis fünf Jahre alt, unauffällig, gut gelagert Herstellerempfehlung, aber ohne Materialbefund Ausgabe ohne belegten Sicherheitsgewinn prüfen statt automatisch tauschen
Dauerhaft in Sonne, Hitze oder feuchter Garage gelagert UV und Hitze sind die belegten Alterungstreiber Neukauf früher als bei Schrankaufbewahrung eher ersetzen
Unbenutzt eingelagert ohne Schweiß und UV kaum Belastung Modell ist technisch veraltet, etwa ohne Rotationsschutz etwa acht Jahre ab Herstellung als Orientierung

Das Herstellungsdatum steht als Aufkleber im Inneren, meist als Monat und Jahr oder als Uhrsymbol mit Pfeil. Verwechsle es nicht mit dem Kaufdatum, gerade bei Restposten liegen dazwischen leicht zwei Jahre.

Worauf du beim Ersatzkauf achtest

  • Kopfumfang messen, nicht schätzen. Maßband knapp über den Ohren und einen Fingerbreit über den Augenbrauen herumlegen. Zwischen zwei Größen ist die kleinere meist die richtige, wenn das Verstellsystem Reserve hat.
  • Sitzprobe ohne Riemen. Der Helm muss auf dem Kopf halten, wenn du dich vorbeugst und den Kopf schüttelst, bevor du den Riemen schließt. Tut er das nicht, ist die Schalenform falsch, egal was die Größenangabe sagt.
  • Rotationsschutz mitdenken. Die Norm prüft ihn nicht, unabhängige Bewertungen berücksichtigen ihn. Beim Neukauf ist das der greifbarste Fortschritt gegenüber einem zehn Jahre alten Helm.
  • Crash-Replacement erfragen. Mehrere Hersteller bieten nach einem Sturz einen vergünstigten Ersatz an, üblich sind Fristen von zwei bis drei Jahren ab Kaufdatum und Konditionen um die Hälfte der Preisempfehlung. Heb den Kaufbeleg auf.
  • Belüftung nach Einsatz wählen. Ein Pendlerhelm braucht andere Kanalführung als ein Rennradhelm, dazu steht mehr im Beitrag zur Belüftung von Rennradhelmen und zum E-Bike-Helm.
  • Bei Kindern häufiger prüfen. Nicht wegen des Materials, sondern weil der Kopf wächst und Kinderhelme mehr abbekommen. Details dazu im Beitrag zum Fahrradhelm für Kinder.

Häufige Fragen

Muss ich in Deutschland überhaupt einen Helm tragen?
Nein, eine Helmpflicht gibt es nicht. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass das Nichttragen eines Fahrradhelms kein Mitverschulden begründet, weil es kein allgemeines Verkehrsbewusstsein zum Helmtragen gab. Zur sportlichen Nutzung hat das Gericht nichts gesagt. Hintergründe zur Unfallforschung sammelt die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Wie reinige ich den Helm, ohne ihn zu schädigen?
Polster herausnehmen und von Hand mit milder Seife waschen. Schale und Schaum nur mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch. Keine Lösungsmittel, kein Alkohol, keine aggressiven Reiniger, sie können Kunststoff und Klebeverbindungen angreifen. Nicht in die Spülmaschine und nicht auf die Heizung legen.

Der Helm ist mir einmal vom Lenker auf den Asphalt gefallen. Ersetzen?
Ein Sturz aus Lenkerhöhe ohne Kopf im Helm ist energetisch etwas völlig anderes als ein Aufprall mit Körpergewicht dahinter. Sieh dir die Schale und den Übergang zum Schaum genau an. Ist nichts zu erkennen und drückt sich der Schaum nirgends ein, kannst du ihn weiterfahren.

Wie erkenne ich unsichtbare Schäden?
Gar nicht zuverlässig, und das ist der Punkt. Drücke den Schaum systematisch mit dem Daumen ab, suche nach Stellen, die weicher nachgeben, und prüfe im Gegenlicht auf feine Risse in der Schale. Bleibt ein Zweifel nach einem Sturz, ist der Helm erledigt.

Wohin mit dem alten Helm?
In den Restmüll oder kostenlos zum Wertstoffhof, nicht in den gelben Sack. Polycarbonatschale und EPS sind fest verbunden und lassen sich nicht sortenrein trennen. Helme mit fest eingebautem Licht oder Akku gehören in die Sammlung für Elektrogeräte und Batterien.

Lohnt ein gebrauchter Helm?
Nein. Du weißt nicht, ob er gestürzt ist, und genau das ist die einzige Information, auf die es ankommt. Beim Helm ist der Gebrauchtmarkt der einzige Bereich am Rad, von dem sich pauschal abraten lässt. Die Ansprüche beim Neukauf erklärt die Verbraucherzentrale.

David ist ein passionierter Radfahrer, der seine Begeisterung für das Radfahren in seinen tiefgründigen Artikeln vermittelt. Er erkundet sowohl städtische als auch ländliche Routen und teilt seine Erfahrungen über die Freiheit auf zwei Rädern. Davids Motto: „Radfahren ist Freiheit, die jeder Tritt in die Pedale beweist.“