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Die Frage nach dem besten Radweg Deutschlands hat keine allgemeine Antwort, weil die Listen fast immer dasselbe messen: wie viele Menschen eine Route gefahren sind. Beliebt heißt aber nicht passend. Ein Weg, der für eine Familie mit Kinderanhänger ideal ist, wird für jemanden mit schmalen Reifen und wenig Zeit zur Geduldsprobe, und umgekehrt.

Nützlicher ist die Frage nach dem Routentyp. Flussradwege sind flach und durchgehend beschildert, Küstenrouten sind flach, aber vom Wind bestimmt, Mittelgebirgsrouten verlangen Übersetzung und Bremsen, Bahntrassenwege sind asphaltiert und steigungsarm. Aus diesem Typ folgen Tagesetappe, Reifenbreite und Gepäckform, nicht aus der Platzierung in einer Rangliste.

Es gibt allerdings zwei belastbare Anhaltspunkte, an denen du dich orientieren kannst: das nationale Radnetz mit seinen durchgehenden Fernrouten und die Bewertung von Fernwegen nach festen Kriterien mit Sternen. Beides sagt mehr über die Qualität einer Strecke als jede Fotostrecke.

Wie das Radnetz aufgebaut ist und was die Sterne bedeuten

Das nationale Radnetz besteht aus 13 sogenannten D-Routen mit zusammen rund 11.000 Kilometern. Die Nummern eins bis sechs verlaufen von West nach Ost, die Nummern sieben bis 13 von Nord nach Süd. Wer sich das einmal einprägt, kann jede Tour grob planen, ohne eine Karte zu öffnen: Willst du quer durchs Land, suchst du eine niedrige Nummer, willst du zur Küste oder in die Alpen, eine hohe.

Zwei Beispiele zeigen die Spannweite. Der Elberadweg ist als D-Route 10 zwischen Dresden und Hamburg einer der meistgenutzten Fernwege überhaupt und über seine gesamte Länge 1.328 Kilometer lang. Der Weser-Radweg als D-Route 9 misst 520 Kilometer vom Mittelgebirge bis zur Nordsee und trägt vier von fünf möglichen Sternen der Qualitätsbewertung.

Diese Sterne sind kein Geschmacksurteil. Für die Einstufung muss eine Route mindestens 100 Kilometer lang sein, einen eindeutigen Namen und ein einheitliches Logo für die Beschilderung führen und eine verantwortliche Stelle für die Pflege der Strecke haben. Bewertet werden dann unter anderem Zustand und Oberfläche der Wege, die Wegweisung, die Routenführung, die Verkehrsbelastung, die touristische Infrastruktur und die Anbindung an Bus und Bahn. Genau das sind die Punkte, die über einen entspannten Tag entscheiden, und deshalb ist die Sternzahl der bessere Filter als eine Beliebtheitsliste.

Was ein ausgeschilderter Radfernweg nicht bedeutet

Die häufigste Enttäuschung entsteht durch die Annahme, ein Fernweg sei durchgehend asphaltiert und autofrei. Er ist es nicht. Fernwege setzen sich aus dem zusammen, was vor Ort vorhanden ist: Wirtschaftswege, Deichkronen, wassergebundene Decken, Waldwege und Abschnitte auf ruhigen Landstraßen. Nach längerem Regen wird eine wassergebundene Decke weich, und was auf der Karte nach 80 flachen Kilometern aussah, kostet plötzlich zwei Stunden mehr.

Zweitens sagt eine Beschilderung nichts über die Verkehrsregeln. Ein ausgewiesener Radfernweg ist nicht automatisch ein benutzungspflichtiger Radweg, und ein Abschnitt kann streckenweise über die Fahrbahn führen. Welche Wege du benutzen musst und wann die Fahrbahn erlaubt ist, regelt die Straßenverkehrsordnung zur Straßenbenutzung. Praktisch heißt das: Auf die blauen Schilder achten, nicht auf das Logo der Route.

Drittens ist Höhenprofil nicht gleich Anstrengung. Ein Flussradweg gilt als flach, doch flussabwärts fährt es sich fast immer leichter als flussaufwärts, und an der Küste ist der Wind der eigentliche Berg. Eine flache Etappe gegen kräftigen Wind kostet mehr Kraft als eine hügelige mit Rückenwind. Wer die Richtung seiner Tour nach der vorherrschenden Windrichtung wählt, spart mehr Energie als mit jedem Ausrüstungsdetail. Die Wetterlage für die Planung liefert der Deutsche Wetterdienst.

Die Routentypen im Vergleich

RoutentypStärkeWas es kostetPasst zu
Flussradwegdurchgehend flach, dichte Beschilderung, viele Orte am Weggegen die Fließrichtung deutlich anstrengender, im Sommer vollFamilien, erste Mehrtagestour
Küstenrouteflach, viele Fähren und Bahnhöfe, weite SichtWind bestimmt den Tag, wenig Schatten, Sand auf dem Wegtrainierte Fahrer, kurze Etappen mit Puffer
Mittelgebirgsrouteabwechslungsreich, ruhiger, oft schöne Abfahrtenbraucht kleine Übersetzung und gute Bremsen, weniger Tageskilometersportliche Touren, Reisen ohne Zeitdruck
Bahntrassenwegasphaltiert, gleichmäßig geringe Steigung, autofreiwenig Landschaftswechsel, oft nur kurze AbschnitteAnhänger, Liegerad, Rollstuhlfahrrad, Rennrad
Fernroute im D-Netzdurchgehend geführt, gut mit Bahn kombinierbarOberflächen wechseln stark, Umleitungen kommen vorlange Reisen quer durchs Land
Rundkurs im Umlandkein Rücktransport nötig, kurzfristig planbarselten durchgehend beschildert, mehr KreuzungenTagesausflüge, Fahrten mit Kindern

Planungskriterien mit Zahlen

  • Tagesetappe ehrlich ansetzen. Mit Gepäck auf gemischtem Untergrund sind 50 bis 70 Kilometer ein guter Wert, mit Kindern eher 25 bis 40. Wer nach der Höchstleistung plant, verbringt den Nachmittag mit Aufholen.
  • Reifenbreite zum Belag. Auf wassergebundenen Decken und Deichwegen sind 37 bis 47 Millimeter Breite die entspannte Wahl. Unter 32 Millimetern wird jeder Schotterabschnitt zur Rutschpartie.
  • Übersetzung prüfen, nicht die Gangzahl. Für Mittelgebirge zählt der kleinste Gang. Ein Rad, das am kleinsten Kettenblatt hinten nur bis 32 Zähne reicht, wird mit vier Packtaschen an langen Rampen unangenehm.
  • Bahnanbindung vor der Buchung klären. Fahrradstellplätze im Fernverkehr sind begrenzt und reservierungspflichtig, im Nahverkehr gelten unterschiedliche Regeln. Plane Start und Ziel nach Bahnhöfen, nicht nach Ortsnamen.
  • Gepäckgewicht auf Achsen verteilen. Als Faustregel gehören etwa 60 Prozent nach hinten und 40 Prozent nach vorn. Alles im Rucksack landet auf dem Sattel und in den Handgelenken.
  • Puffer für Umleitungen. Rechne auf jeder Etappe 10 Prozent Zuschlag ein. Baustellen und Hochwassersperrungen an Flussrouten sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Wer welche Route und welche Ausrüstung braucht

Für die erste längere Tour ist ein sternbewerteter Flussradweg die sicherste Wahl, weil Beschilderung, Unterkünfte und Bahnhöfe dicht liegen. Die Schritte von der Idee bis zur Etappenliste stehen im Leitfaden zum Planen einer Radreise. Beim Gepäck entscheidet die Dauer: Ab zwei Übernachtungen sind Packtaschen am Trekkingrad dem Rücken deutlich angenehmer als ein Tourenrucksack, der bei kurzen Ausfahrten aber die schnellere Lösung bleibt.

Wer leicht und ohne Gepäckträger reisen will, findet in einem Bikepacking-Set die passende Form, muss dafür aber mit weniger Volumen auskommen. Weil auf Flussrouten Regen zum Programm gehört, lohnt sich eine wirklich wasserdichte Tasche mehr als jede Hülle zum Überziehen. Für die Orientierung abseits der Hauptwege ist ein Navigationsgerät fürs Rad sinnvoll, weil Schilder an Kreuzungen fehlen können und das Telefon selten einen ganzen Tag durchhält. Wie stark der Radverkehr insgesamt zur Verkehrswende beiträgt, ordnet das Umweltbundesamt zum Radverkehr ein.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich unterwegs, ob ich noch auf der Route bin?

Radfernwege haben ein eigenes Logo, das an Kreuzungen zusammen mit dem Pfeil steht. Fehlt es nach zwei Abzweigungen, bist du meist falsch abgebogen. Merke dir zusätzlich den Fluss oder die Bahnlinie, an der die Route entlangführt: Diese Orientierung funktioniert auch dann, wenn ein Schild abmontiert wurde.

Kann ich mit einem Rennrad auf Fernwegen fahren?

Auf Bahntrassenwegen und asphaltierten Flussabschnitten ja. Auf Deichkronen und wassergebundenen Decken wird es unangenehm bis riskant. Wer mit schmalen Reifen unterwegs ist, plant besser entlang ruhiger Landstraßen und nutzt den Fernweg nur dort, wo er befestigt ist.

Was tue ich bei einer Sperrung ohne Umleitungsschild?

Zurück zur letzten größeren Ortschaft und dort auf eine parallele Nebenstraße wechseln. Flussrouten verlaufen fast immer auf beiden Seiten, sodass die nächste Brücke die einfachste Lösung ist. Kalkuliere für so einen Fall den Zuschlag ein, den du bei der Planung ohnehin vorgesehen hast.

Lohnt sich ein E-Bike für eine Radreise?

Im Mittelgebirge und mit viel Gepäck ja, sofern die Etappen zur Reichweite passen und die Unterkunft eine Lademöglichkeit hat. Auf flachen Fernwegen ist der Gewinn kleiner, das Mehrgewicht dafür spürbar, sobald das Rad in einen Zug oder über eine Treppe muss.

Wann ist die beste Zeit für eine Tour?

Die Randzeiten der Saison sind angenehmer als die Hochsommermonate: weniger Betrieb auf den beliebten Abschnitten, kühlere Mittage, freiere Auswahl bei den Unterkünften. Dafür sind die Tage kürzer, und einzelne Fähren und Gastbetriebe an Flussrouten haben dann noch nicht oder nicht mehr geöffnet.

Wie transportiere ich Kinder auf einer längeren Route?

Bis etwa zum Vorschulalter ist ein Anhänger die praktischste Lösung, weil dort auch Gepäck und Schlafmöglichkeit für die Pause hineinpassen. Achte dann auf Wegbreite und Poller: Umlaufsperren an Wegeinfahrten sind für Anhänger und Lastenräder regelmäßig zu eng, und das steht auf keiner Etappenkarte.

David ist ein passionierter Radfahrer, der seine Begeisterung für das Radfahren in seinen tiefgründigen Artikeln vermittelt. Er erkundet sowohl städtische als auch ländliche Routen und teilt seine Erfahrungen über die Freiheit auf zwei Rädern. Davids Motto: „Radfahren ist Freiheit, die jeder Tritt in die Pedale beweist.“