Clicky

Unsere Redaktion wird durch Leser unterstützt. Wir verlinken u.a. auf ausgewählte Online-Shops und Partner, von denen wir ggf. eine Vergütung erhalten. Mehr erfahren.

Die Frage taucht regelmäßig auf, wenn jemand vom Asphalt auf Schotter wechselt oder sich ein zweites Rad zulegt: Braucht die Kette einen anderen Typ, sobald das Terrain wechselt? Die ehrliche Antwort lautet nein. Was über die passende Kette entscheidet, ist die Anzahl der Ritzel hinten, nicht der Untergrund unter den Reifen.

Was sich mit dem Terrain tatsächlich ändert, ist die Pflege. Dieselbe Kette hält auf trockenem Asphalt ein Vielfaches der Kilometer, die sie im nassen Schlamm schafft, und der Unterschied entsteht fast vollständig durch Schmiermittel und Reinigungsintervall. Wer für Wald und Straße zwei verschiedene Ketten kauft, löst also ein Problem, das er gar nicht hat.

Trotzdem gibt es sinnvolle Gründe, mehr als eine Kette im Schrank zu haben. Sie sind allerdings andere als die meisten vermuten, und darum geht es weiter unten.

Passende Ketten und Zubehör

Wir empfehlen
6/7/8 Fahrradkette Werkzeug Set,
Mit dem Link kaufst du zum gleichen Preis ein, aber wir erhalten eventuell eine Provision.

Wir empfehlen
Wicbb 9-fach Fahrradkette 116
Mit dem Link kaufst du zum gleichen Preis ein, aber wir erhalten eventuell eine Provision.

Wir empfehlen
HOKYYCC Kettenreiniger
Mit dem Link kaufst du zum gleichen Preis ein, aber wir erhalten eventuell eine Provision.

Was eine Kette zur passenden Kette macht

Alle gängigen Fahrradketten haben dieselbe Teilung, nämlich einen halben Zoll von Bolzen zu Bolzen. Genau deshalb passt jede Kette grundsätzlich auf jedes Kettenblatt. Der Unterschied liegt in der Außenbreite, und die richtet sich nach dem Abstand der Ritzel auf der Kassette. Grob gilt: Je mehr Gänge hinten, desto schmaler die Kette.

Eine Neunfachkette misst außen etwa 6,6 Millimeter, eine Elffachkette nur noch rund 5,5 Millimeter, und bei Zwölffach geht es weiter nach unten. Eine zu breite Kette schleift an den Nachbarritzeln und schaltet hakelig, eine zu schmale Kette sitzt zwar zwischen den Zähnen, läuft aber unruhig und verschleißt die Kassette schneller. Die Zahl der Gänge ist damit das einzige wirklich harte Kaufkriterium. Die Teilung selbst ist über Normen festgelegt, was Fahrradketten seit Jahrzehnten untereinander kompatibel hält; wie solche technischen Normen entstehen, lässt sich beim DIN nachlesen.

Der zweite echte Unterschied betrifft die Innenlaschen. Ketten für Einfachantriebe am Gravelbike oder Mountainbike sind innen oft anders geformt, damit sie auf schmalen Kettenblättern mit abwechselnd dicken und dünnen Zähnen sicher sitzen. Das ist kein Terrainthema, sondern eine Frage des Antriebskonzepts.

Was eine spezielle Kette nicht leistet

Es gibt keine Kette, die für Schlamm gebaut ist und dort langsamer verschleißt als eine andere. Verschleiß an der Kette entsteht dort, wo Bolzen und Hülse aneinander reiben, also im Inneren des Gelenks. Was diesen Verschleiß treibt, ist Schmutz, der zwischen die Teile gelangt, und ein Schmierfilm, der ihn nicht mehr fernhält. Beschichtungen an der Oberfläche, ob vernickelt, verchromt oder mit einer harten Kohlenstoffschicht versehen, schützen zuerst gegen Rost und Reibung außen. Gegen das Mahlwerk im Gelenk richten sie deutlich weniger aus, als die Verpackung nahelegt.

Der Effekt des Schmiermittels ist dagegen groß und in Labortests klar messbar. Eine falsch geschmierte Kette kann die Verschleißgrenze schon nach gut tausend Meilen erreichen, während dieselbe Kette mit einer Wachsbehandlung und regelmäßiger Auffrischung ein Vielfaches davon schafft. Wer also die Haltbarkeit im Gelände verbessern will, kauft kein anderes Kettenmodell, sondern ändert die Pflege.

Und noch ein verbreiteter Irrtum: Eine teurere Kette hält nicht automatisch länger. Was du beim Aufpreis meist bekommst, sind ein paar Gramm weniger Gewicht, sauberere Schaltvorgänge und eine bessere Oberflächenbehandlung. Die Lebensdauer im Gelenk unterscheidet sich zwischen Mittelklasse und Oberklasse derselben Marke oft kaum.

Schmiermittel im Vergleich

Art Wo es stark ist Was es kostet Nachschmieren etwa
Nassschmierstoff Regen, Schlamm, lange Herbsttouren bindet Staub, Antrieb wird schnell schwarz und braucht häufige Reinigung alle 150 bis 300 Kilometer, im Nassen früher
Trockenschmierstoff staubige Schotterwege, trockener Sommer wäscht bei Regen schnell aus, hält kurze Zeit alle 100 bis 200 Kilometer
Tropfwachs gemischte Bedingungen, sauberer Antrieb braucht eine völlig entfettete Kette beim ersten Auftrag alle 200 bis 400 Kilometer
Heißwachsbad maximale Haltbarkeit der Kette Aufwand, eigener Topf, Kette muss zum Wachsen ab nach mehreren hundert Kilometern, dafür kaum Verschleiß

Kaufkriterien mit Zahlen

Gangzahl. Das nicht verhandelbare Maß. Zähle die Ritzel auf der Kassette und kaufe eine Kette für genau diese Zahl. Zwischen Zehnfach und Elffach liegen weniger als anderthalb Millimeter Außenbreite, und das reicht für hakelige Schaltvorgänge.

Länge in Gliedern. Neue Ketten kommen mit 114 bis 126 Gliedern. Am Mountainbike mit großem Ritzelpaket brauchst du eher die lange Variante, am Rennrad mit kleiner Kassette die kurze. Zu kurz gekürzt reißt die Kette im größten Gang das Schaltwerk aus.

Verschleißgrenze. Zwölf Glieder einer neuen Kette messen genau 304,8 Millimeter. Bei modernen Elf- und Zwölffachantrieben gilt ein Tausch ab 0,5 Prozent Längung als sinnvoll, spätestens bei 0,75 Prozent. Ältere Antriebe mit fünf bis acht Ritzeln vertragen die 0,75 Prozent als Obergrenze. Wer darüber hinausfährt, kauft die Kassette gleich mit.

Verschluss. Ein Kettenschloss lässt sich ohne Nieter öffnen und ist unterwegs Gold wert. Manche Modelle sind ausdrücklich nur für einmaliges Schließen freigegeben, andere für mehrfaches Öffnen. Wer die Kette regelmäßig zum Reinigen abnimmt, braucht die wiederverwendbare Variante; Details dazu stehen im Überblick zu Kettenschlössern und ihrer Handhabung.

Beschichtung. Vernickelte oder ähnlich behandelte Ketten rosten deutlich langsamer und sind für Winterräder und Pendelstrecken mit Streusalz die sinnvolle Wahl. Wie stark sich das lohnt, steht im Überblick zu rostarmen Fahrradketten.

Wann sich eine zweite Kette wirklich lohnt

Der sinnvolle Grund für mehrere Ketten ist nicht das Terrain, sondern der Wechselrhythmus. Wer zwei oder drei baugleiche Ketten abwechselnd fährt und alle paar hundert Kilometer tauscht, verteilt den Verschleiß gleichmäßig auf Ketten und Kassette. Die Zahnräder bleiben länger mit allen Ketten kompatibel, und der Antrieb hält insgesamt länger.

Der zweite gute Grund ist der Wechsel von Wachs auf Öl und zurück. Wer im Sommer gewachst fährt und im Winter auf Nassschmierstoff umstellt, hat mit zwei Ketten weniger Arbeit, weil er nicht jedes Mal entfetten muss. Für alle anderen gilt: Eine Kette, sauber gehalten, rechtzeitig gemessen, reicht für Straße, Schotter und Wald gleichermaßen. Wie lange sie hält, zeigt der Vergleich verschleißarmer Ketten.

Häufige Fragen

Wie merke ich ohne Lehre, dass die Kette hin ist? Zieh die Kette am vorderen Kettenblatt nach vorn weg. Löst sich ein Glied so weit, dass du unter dem Zahn Licht siehst, ist sie überfällig. Das ist grob, ersetzt aber im Zweifel nicht die Messung über zwölf Glieder.

Muss ich mit der Kette immer die Kassette tauschen? Nicht, wenn du rechtzeitig wechselst. Eine bis zur Grenze gefahrene Kette formt die Zähne der Kassette um, dann rutscht die neue Kette unter Last durch. Wer den Wechsel bei 0,5 Prozent macht, kommt oft mit drei Ketten pro Kassette aus.

Darf ich eine Kette mit WD-40 reinigen? Zum Lösen von altem Schmutz ist ein Kriechöl in Ordnung, als Schmierung ist es ungeeignet, weil es zu dünn ist und schnell verfliegt. Nach dem Reinigen muss immer neu geschmiert werden, sonst läuft die Kette trocken.

Neue Kette rutscht durch, was jetzt? Fast immer ist die Kassette verschlissen und muss mit. Kommt das Rutschen nur auf einem Ritzel vor, betrifft der Verschleiß meist das am häufigsten gefahrene. Ein neues Kettenblatt ist seltener nötig, weil vorn mehr Zähne im Eingriff sind.

Wie fest muss die Kettenblattschraube angezogen werden? Die Werte stehen auf dem Bauteil oder in der Herstellerangabe und liegen bei Kettenblattschrauben meist im niedrigen einstelligen Bereich in Newtonmetern. Bei Aluminium und Carbon ist das kein Detail, dort reißt ein zu fest angezogenes Gewinde aus; ein Blick auf Drehmomentschlüssel fürs Rad lohnt sich.

Habe ich Gewährleistung, wenn die Kette schnell längt? Kette und Kassette sind Verschleißteile, und normale Abnutzung ist kein Mangel. Ein Materialfehler wie ein gerissener Bolzen nach wenigen hundert Kilometern ist etwas anderes. Was in solchen Fällen gilt, erklärt die Verbraucherzentrale. Wer den Antrieb sauber halten will, findet im Überblick zu Kettenschutzlösungen die einfachste Vorbeugung gegen Spritzwasser und Hosenbein.

David ist ein passionierter Radfahrer, der seine Begeisterung für das Radfahren in seinen tiefgründigen Artikeln vermittelt. Er erkundet sowohl städtische als auch ländliche Routen und teilt seine Erfahrungen über die Freiheit auf zwei Rädern. Davids Motto: „Radfahren ist Freiheit, die jeder Tritt in die Pedale beweist.“